Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin erklärt auf dem Probevideo an einem Beispiel bzgl. eines Raubüberfalles, die dominante Strategie. Dabei werden die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und deren mögliche Folgen behandelt. Ich habe nun damit das Problem, das hierbei nicht berücksichtigt wird, in welchem Verhältnis die Personen stehen. Wären meine Mutter und ich z.B. die Verbrecher (was aber nicht tatsächlich unserem Charakter entspricht) wäre ich mir 100% sicher, dass weder meine Mutter noch ich aus Loyalität geständig wären, denn wir würden nie auf Kosten des anderen Vorteile versuchen zu erlangen. Also würden wir zu 1 Jahr verurteilt werden. Diese persönliche Beziehung spielt bei dem Erklärungsbeispiel also keine Rolle, für mich aber konkret eine sehr große Rolle. – B. Mann am 20.1.2011
Antwort:
Ihr Einwand ist sehr gut. Tatsächlich betrachtet die sogenannte Spieltheorie den Menschen nicht als Ganzes, was etwa auch seine Beziehung zu anderen mit einschließt, sondern modelliert je nach Fall nur bestimmte Züge seiner Rolle als Handelnden. Darunter fällt etwa das grundsätzliche Streben, möglichst viel aus seinem Tun zu machen.
Das ist für die Erklärung bestimmter Situationen, in denen zwischen einzelnen Handelnden keine sozialen Bindungen angenommen werden müssen, auch durchaus hilfreich. Betrachten wir etwa den Öffentlichen Personenverkehr. Dieser wird gewöhnlich mit Hilfe der Beiträge aller Teilnehmer finanziert. Bei mangelndem Kontrollen hätte jeder Einzelne einen Anreiz, nicht zu zahlen. Denn zahlen die Anderen, er aber nicht, spart er Geld und kann z.B. Bahn fahren. Zahlt er hingegen, die Anderen aber nicht, spart er kein Geld und kann auch nicht Bahn fahren, da für einen einzelnen zahlenden Kunden kein ganzes Bahnnetz betrieben werden kann. Somit ist es egal, was die anderen tun – der Einzelne hätte immer einen Anreiz, nicht zu zahlen – mangelnde Kontrollen vorausgesetzt. Dies wäre eine Erklärung, weshalb relativ viele Menschen zum Schwarzfahren bereit sind.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre ZEIT Akademie
Literaturhinweis:
Andreas Diekmann: Spieltheorie. Einführung, Beispiele, Experimente. 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek 2009.

