Expertenforum Philosophie

Freiheit

Niemand entscheidet sich grundlos. Daher kann es keine Freiheit der Entscheidung geben. Auf der anderen Seite bin ich schon der Ansicht, dass es einen Freiheitsaspekt geben muss. Gibt es Denker, die einen Ausweg aus diesem Dilemma anbieten? [mehr ...]

Prof. Dr. Nida-Rümelin vertritt die Überzeugung, dass dem Menschen ein Spielraum für die freie Entscheidung bleibt, sich auf a oder b festzulegen. Ich bin da anderer Meinung. Bei jeder Entscheidung, einerlei, ob ich mich für a oder b entscheide, hängt es einzig von den Gründen ab die mich dazu bewegen. Niemand entscheidet sich grundlos. Daher kann es keine Freiheit der Entscheidung geben. Auf der anderen Seite bin ich schon der Ansicht, dass es einen Freiheitsaspekt geben muss. Gibt es Denker, die einen Ausweg aus diesem Dilemma anbieten? – U. Kaemmerling am 6.3.2012

Antwort

Freiheit verstanden als Befreiung von allen Bestimmungsgründen erscheint in der Tat schwer vorstellbar: Wenn mich nichts bestimmt, was wäre mein Handeln mehr als das blinde Wirken des Zufalls? Es wird mithin darauf ankommen, sein eigenes Handeln nicht keinerlei Bestimmungsgründen zu unterwerfen, sondern nur solchen, die dem eigenen Ich zurechenbar sind. Nur in diesem Fall wäre das eigene Handeln nicht fremd- sondern eigenbestimmt, oder autonom.

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Moral

Sollte man aus moralischer Sicht einer Euro-Bond-Lösung zustimmen und sich so solidarisch mit Resteuropa zeigen? [mehr ...]

Sollte man aus moralischer Sicht einer Euro-Bond-Lösung zustimmen und sich so solidarisch mit Resteuropa zeigen? Welche Rolle spielt bei diesen wirtschaftlichen Entscheidungen die Moral?
E. Schmidt am 06.09.2011

Antwort

Fragen wie diese scheinen auf den ersten Blick mehr politischer denn moralischer Natur zu sein: Einmal ist es offenkundig eine Frage „der Politik“, also der Staats- und Regierungschefs der EU, ob sie einer solchen Lösung zustimmen möchten. Zweitens wird in dieser Entscheidung sicherlich eine ganze Reihe politischer Gesichtspunkte eine Rolle spielen.

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Selbstbestimmung und Menschenwürde

Fallbeispiel: Bei der Evakuierung aufgrund eines größeren Bombenfundes weigert sich ein 88jähriger Mann, die Gefahrenzone zu verlassen und wird daraufhin gewaltsam weggeführt. Wird hier nicht die Selbstbestimmung des Einzelnen in zweifacher Weise verletzt, indem ihm 1. die Entscheidung, sich dem Risiko auszusetzen, streitig gemacht und 2. physische Gewalt gegen die Person angewandt wird? [mehr ...]

(Reales) Fallbeispiel zu den Begriffen Risiko und Menschenwürde:
Bei der Entschärfung eines größeren Bombenfundes wird ein Areal im Radius von 2 km vollständig evakuiert. Die Wahrscheinlichkeit einer Explosion bei der Kampfmittelräumung ist gering, die von ihr potenziell ausgehende Gefahr nimmt mit der Entfernung vom Bombenfund ab. Ein 88jähriger bettlägeriger Mann widersetzt sich der Räumung mit dem Argument, für sein Leben selbst verantwortlich und Willens zu sein, sich der Gefahr (dem Risiko?) einer Verletzung auszusetzen. Die Sicherheitsorgane argumentieren, in diesem Punkte ende die Entscheidungsfähigkeit des Einzelnen; die Stadtverwaltung trage Verantwortung für ihre Bürger. Der Dissens endet mit einer Zwangsräumung unter Gewaltanwendung.

Wurde dieser Fall "ethisch korrekt" gelöst? Ist die Begründung der Sicherheitsorgane zulässig? Wird nicht die Selbstbestimmung des Einzelnen in zweifacher Weise verletzt, indem [1] ihm die Entscheidung, sich dem Risiko auszusetzen, streitig gemacht und [2] physische Gewalt gegen die Person angewandt wird? Oder rechtfertigt die Vermeidung von Gefahr als Ausdruck respektierter Menschenwürde (im Allgemeinen) die Gewaltanwendung (im Besonderen)? – D. Sack am 16.5.2011

Antwort

Sie stellen die Frage nach einer ethischen Begründung (zu unterscheiden von der juristischen Rechtfertigung) dieser Maßnahme. Als Einstiegspunkt wollen wir uns noch einmal die Güter veranschaulichen, die auf dem Spiel stehen: So finden sich einmal eine (niedrig angesetzte) Gefährdung für Leib und Leben; auf der anderen Seite stehen die Umstände, die sich aus der (befristeten) Ortsänderung ergeben.

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Tugendethik

Können Sie mir den Unterschied zwischen dem Streben nach Wahrhaftigkeit und der Wahrheitsliebe erklären? Und: Was meinen Sie, ist moralisch "einwandfreier" zu leben? [mehr ...]

Können Sie mir den Unterschied zwischen dem Streben nach Wahrhaftigkeit und der Wahrheitsliebe erklären? Und: Was meinen Sie, ist moralisch "einwandfreier" zu leben? – T. Paul am 13.4.2011

Antwort:

Wenngleich das genaue Verhältnis zwischen beiden Tugenden sicherlich mannigfaltig interpretiert werden kann, schlage ich vor, eine Überschneidung anzunehmen, nach der Wahrheitsliebe gegenüber der Wahrhaftigkeit die besondere Tugend darstellt.

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Handlungstheorie

Im Begleitheft (Lektionen 1-3) wird im Beispiel zum Dominanzprinzip „Krieg“ und „Frieden“ in der Konsequenzenmatrix als Umstände ausgezeichnet. Doch sind das denn nicht Konsequenzen menschlichen Handelns bzw. menschliches Handeln selbst? [mehr ...]

Im Begleitheft (Lektionen 1-3) wird im Beispiel zum Dominanzprinzip „Krieg“ und „Frieden“ in der Konsequenzenmatrix als Umstände ausgezeichnet. Doch sind das denn nicht Konsequenzen menschlichen Handelns bzw. menschliches Handeln selbst? – V. Homann am 24.2.2011

Antwort:

Sie haben Recht, dass die Umstände unseres Handelns nicht mit unserem Handeln zusammenfallen, und ebenso die Konsequenzen einer Handlung nicht mit ihr selbst identisch sind. Wie in Lektion drei allerdings anschaulich beschrieben, können Handlungen auch in die möglichen Umstände mit eingehen, sei es im Tun anderer, sei es durch das eigene Tun.

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Vernunft

Sehen Sie für die Zukunft eine echte Alternative zur methodischen Vernunft? Und zwar eine Alternative, die als gemeinsame Vernunft in den Wissenschaften und in der Praxis (einschließlich der Kunst) wird auftreten können? [mehr ...]

Sehen Sie für die Zukunft eine echte Alternative zur methodischen Vernunft? Und zwar eine Alternative, die als gemeinsame Vernunft in den Wissenschaften und in der Praxis (einschließlich der Kunst) wird auftreten können? – R. J. Moser am 30.1.2011

Antwort:

Von vielen zeitgenössischen Philosophen wird eine Position, welche unsere theoretischen wie praktischen Fähigkeiten unter ein einziges rationales Prinzip stellt, mit Misstrauen betrachtet. Grund hierfür ist der in ihren Augen gescheiterte Versuch der Aufklärung, ein solches Projekt zum Abschluss zu bringen.

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Menschliche Freiheit

Wie lässt sich dem Argument begegnen, ich hätte zwar anders handeln sollen, aber mein reales Handeln hatte, wie alles Handeln, Ursachen, die letztlich nicht vom Handelnden bestimmt werden können? [mehr ...]

Wenn wir Menschen beides sind - Teil einer kausal geschlossenen natürlichen Welt und Teil einer Normen setzenden kulturellen Welt -, wie lässt sich dem Argument begegnen, ich hätte zwar anders handeln sollen, aber mein reales Handeln hatte, wie alles Handeln, Ursachen, die letztlich nicht vom Handelnden bestimmt werden können? – H. Bosbach am 20.1.2011

Antwort:

Tatsächlich stellt es für alle Verfechter der Willensfreiheit eine große Herausforderung dar, den genauen Spielraum von Gründen in einer mit Kausalursachen durchzogenen Welt auszuloten. Dass alles Handeln Ursachen hat, die „letztlich nicht vom Handelnden bestimmt werden können“, wird dabei normalerweise von allen Seiten zugestanden. Die Kunst besteht nun darin, Bereiche anzugeben, in denen der Handelnde trotz dieser von außen vorgegebenen Restriktionen noch selbstbestimmt agieren kann.

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Der moralische Zusammenbruch

Cameron behauptet, die Krawalle in England hätten keine gesellschaftlichen Ursachen, sondern seien schlicht Ausdruck eines "moralischen Zusammenbruchs". Ist das plausibel? [mehr ...]

Cameron behauptet, die Krawalle in England hätten keine gesellschaftlichen Ursachen, sondern seien schlicht Ausdruck eines "moralischen Zusammenbruchs". Ist das plausibel? – H. Blume am 17.08.2011

Antwort

In seiner Rede vom 15. August 2011, diagnostizierte Cameron einen „langsam voranschreitenden moralischen Zusammenbruch“ der britischen Gesellschaft. Diese sei „in Teilen sprichwörtlich de-moralisiert“ und leide an einem Überhang von „Unverantwortlichkeit“ und „Selbstbezogenheit“; Menschen zeigten „ein Verhalten, als ob Entscheidungen keine Konsequenzen nach sich zögen.“ Tage zuvor identifizierte er die Ausschreitungen bereits als „schlichte kriminelle Handlungen“.

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Der Philosoph John Rawls

Welche Bedeutung hat das Werk von John Rawls in der praktischen Philosophie? Ist sein Werk als Wegweiser für die politische Praxis von Bedeutung? [mehr ...]

Welche Bedeutung hat das Werk von John Rawls in der praktischen Philosophie?
Ist die Einschätzung richtig, daß sein Werk die politische Philosophie einen großen Schritt vorangebracht hat?
Ist sein Werk als Wegweiser für die politische Praxis von Bedeutung?
Rawls fordert, die in der Gesellschaft am wenigsten Begünstigten müssten bei allen Maßnahmen, die mit politischen Auswirkungen verbunden sind und soziale und ökonomische Ungleichheiten betreffen, am meisten begünstigt werden; ist diese Forderung, das von ihm so genannte Differenzprinzip, in der Praxis verwendbar oder bleibt es unbestimmt, ungeeignet und deshalb folgenlos? – J. Meins am 20.4.2011

Antwort

In der Tat kann John Rawls als einer der wichtigsten (praktischen) Philosophen des vergangenen Jahrhunderts gesehen werden. Seine Ideen werden noch heute vielfach rezipiert und von ihrerseits bedeutenden Philosophen weiter entwickelt. Wenngleich die politische Philosophie im Zentrum von Rawls' Denken steht, haben seine Ideen auf weitere Gebiete praktischer Philosophie – so der Moraltheorie und Metaethik – Einfluss ausgeübt.

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Philosophiegeschichte

Auf welche philosophiehistorischen Fundamente bezieht sich das Konzept der Praktischen Philosophie? [mehr ...]

Auf welche philosophiehistorischen Fundamente bezieht sich das Konzept der Praktischen Philosophie? – E. Probst am 4.4.2011

Antwort:

Den ersten bedeutsamen Vertreter einer genuin „Praktischen Philosophie“, die sich von den Bestrebungen der Theoretischen Philosophie unterscheidet, finden wir in Aristoteles. So unterteilt er im ersten Buch seines praktischen Hauptwerks, der Nikomachischen Ethik, unterschiedliche praktische Wissenschaften, welche für verschiedene Tätigkeiten – Krieg führen, Kranke pflegen, effizient wirtschaften – zuständig sind.

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Theorie der Gründe

Gibt es einen Unterschied zwischen Gründen und Motiven? "Alternativlos" ist das Unwort des Jahres - gibt es solche Handlungen, und wenn ja, was bedeuten sie für die Verantwortlichkeit von Personen? [mehr ...]

Gibt es einen Unterschied zwischen Gründen und Motiven? "Alternativlos" ist das Unwort des Jahres - gibt es solche Handlungen, und wenn ja, was bedeuten sie für die Verantwortlichkeit von Personen? – W. Käfer am 8.2.2011

Antwort:

Unter „Motiv“ wird in der Handlungstheorie häufig der tatsächliche Antrieb verstanden, nach dem ein Agent handelt. Wir können dies als die Gesamtheit seiner motivational wirksamen Gründe verstehen. Demgegenüber nehmen viele Philosophen zusätzlich normative Gründe an. Sie bilden diejenige Menge von Handlungsschrittmachern, denen wir folgen sollten.

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Gefangenendilemma

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin erklärt auf dem Probevideo an einem Beispiel bzgl. eines Raubüberfalles, die dominante Strategie. Die persönliche Beziehung zwischen den Gefangenen spielt bei dem Erklärungsbeispiel keine Rolle, für mich aber konkret eine sehr große Rolle. [mehr ...]

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin erklärt auf dem Probevideo an einem Beispiel bzgl. eines Raubüberfalles, die dominante Strategie. Dabei werden die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und deren mögliche Folgen behandelt. Ich habe nun damit das Problem, das hierbei nicht berücksichtigt wird, in welchem Verhältnis die Personen stehen. Wären meine Mutter und ich z.B. die Verbrecher (was aber nicht tatsächlich unserem Charakter entspricht) wäre ich mir 100% sicher, dass weder meine Mutter noch ich aus Loyalität geständig wären, denn wir würden nie auf Kosten des anderen Vorteile versuchen zu erlangen. Also würden wir zu 1 Jahr verurteilt werden. Diese persönliche Beziehung spielt bei dem Erklärungsbeispiel also keine Rolle, für mich aber konkret eine sehr große Rolle. – B. Mann am 20.1.2011

Antwort:

Tatsächlich betrachtet die sogenannte Spieltheorie den Menschen nicht als Ganzes, was etwa auch seine Beziehung zu anderen mit einschließt, sondern modelliert je nach Fall nur bestimmte Züge seiner Rolle als Handelnden. Darunter fällt etwa das grundsätzliche Streben, möglichst viel aus seinem Tun zu machen.

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Praktische Philosophie

Warum ist die Einführung in die P r a k t i s c h e Philosophie besser geeignet mir den Einstieg in die Philosophie überhaupt zu erleichtern bzw. mein vorhandenes Interesse zu steigern? [mehr ...]

Warum ist die Einführung in die P r a k t i s c h e Philosophie besser geeignet mir den Einstieg in die Philosophie überhaupt zu erleichtern bzw. mein vorhandenes Interesse zu steigern? – J. Friese am 19.1.2011

Antwort:

Die praktische Philosophie holt dem Menschen direkt in seinem alltäglichen Lebenskontext ab: Jeder hat sich schon einmal in einem praktisch-moralischen Entscheidungsdilemma befunden. Sie ist daher im Rahmen einer Einführung besser geeignet, zur Philosophie als Ganzer hinzuführen. Tatsächlich leiten ihre Fragestellungen über kurz oder lang auch in das Gebiet der theoretischen Philosophie über – und umgekehrt.

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