Liebe Akademie-Teilnehmer,
heute senden wir Ihnen die letzte Ausgabe des Akademie-Briefs zum Thema Ökonomie zu. Ich hoffe, Sie konnten in den letzten Monaten einige interessante Anregungen als Ergänzung zu den Seminaren gewinnen. Alle bisherigen Akademie-Briefe finden Sie hier.
Für Ihre Fragen stehen die Fachleute im ZEIT Akademie Expertenforum weiterhin zur Verfügung.
Wir hoffen, Sie bleiben der ZEIT Akademie weiterhin mit Interesse und Freude am Lernen verbunden.
Ihr
Matthias Naß
Wissenschaftlicher Leiter der ZEIT Akademie
Aktuell: Der Homo Oeconomicus
Lange war das Menschenbild der Wirtschaftstheorie sehr idealistisch: Wir Menschen wissen immer, was wir wollen, wir schätzen uns selbst immer realistisch ein und wir tun immer nur das, was uns Vorteile bringt – so die Annahme. Doch mit Experimenten und Feldstudien haben Verhaltensökonomen dieses Denkmal angesägt: Tatsächlich sind wir nämlich wankelmütig, überschätzen uns und haben ein großes Herz für Fairness.
Wir sparen zu wenig für die Rente und essen zu fettig, weil uns der Genuss von heute näher ist als das Leid von morgen. Wir meinen grundsätzlich, schlauer zu sein als der Durchschnitt, und wir verkaufen schlecht laufende Aktien zu spät und gut laufende zu früh, weil uns Verluste dickköpfig und Gewinne ungeduldig machen.
Durch die Erkenntnisse ist klar geworden: Die Wirtschaftspolitik muss unsere Makel künftig einkalkulieren, wenn sie ein Gesetz plant – sonst funktioniert es nicht. Das zeigt zum Beispiel der Strommarkt: Weil wir Verbraucher zu faul sind, uns billigere Anbieter zu suchen, kommt der Wettbewerb nicht in den Gang – und die Preise bleiben hoch.
Lesen Sie dazu aktuelle Artikel aus ZEIT und Handelsblatt:
Literatur zum Thema
"Humanomics: Die Entdeckung des Menschen in der Wirtschaft"
Uwe Jean Heuser
Campus, 2008.
"Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt"
Richard Thaler, Cass Sunstein und Christoph Bausum
Econ, 2009.
"Ökonomie 2.0: 99 überraschende Erkenntnisse"
Norbert Häring und Olaf Storbeck
Schäffer-Poeschel, 2007.
Expertenforum: Im Dialog mit den Experten
Frage:
Die Bundes-/Landesregierungen nehmen laufend Kredite für ihre Haushalte auf. Wenn diese dann fällig werden, nehmen sie zur Rückzahlung einfach wieder neue Kredite auf. Wo das hinführt, sieht man ja jetzt bei Griechenland. Wie lange kann das mit Deutschland noch gut gehen?
Antwort:
"Bei welcher Höhe die Schuldenlast zu einer Krise wie in Griechenland werden kann, hängt sehr vom Land ab: So wird zumindest Deutschland auch weiterhin keine Probleme haben, zu günstigen Konditionen neue Kredite von Menschen, Banken und Versicherungen zu bekommen – obwohl der Schuldenstand ähnlich hoch ist wie in den Krisenstaaten. Denn es gibt zurzeit kaum eine sicherere Investition als die in die boomende viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Außerdem besteht ja auch ein großer Bedarf der weltweiten Anleger an Investitionsmöglichkeiten: Wir alle sparen einen großen Teil unserer Einkünfte und möchten ihn gewinnbringend anlegen. Wäre der Staat kein dankbarer Abnehmer dafür, müssten wir das Geld in riskante Firmen stecken."
Die ausführliche Antwort finden Sie im ZEIT Akademie Expertenforum.

