Dass Elias Canetti, Heinrich Böll und Herta Müller den Nobelpreis gekriegt haben, verstehe ich. Dass Elfriede Jelinek ihn gekriegt hat, verstehe ich nicht. Verstehen Sie das? – G. Thiersen am 11.11.2011
Antwort
Verstehen ist relativ. Unser Literaturverständnis ist meistens von bestimmten Vorlieben geprägt. Sie mögen schrille Charakterzeichnungen (Canetti), ernste und spannende Kurzgeschichten (Böll) und politische Prosa (H. Müller). Eine Literatur, die wie diejenige Jelineks vor allem auf die Literatur, die Sprache und Gemachtheit von Texten zielt, schätzen Sie nicht.
Das Nobelkomitee aber will innovative Entscheidungen treffen. Es prämiert deshalb auch Autoren und Werke, die vordergründig abwegig erscheinen. Jelinek aber steht für eine ganze Tradition sprachkritischen Schreibens (aus Österreich). Sie beerbt Thomas Bernhard. Das Nobelkomitee wollte diese Tradition offenkundig auch einmal würdigen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre ZEIT Akademie

