Herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Wir bemühen uns, Ihre Frage so schnell wie möglich zu beantworten und werden Sie im Falle einer Veröffentlichung erneut kontaktieren.
Mit freundlichen Grüßen
Das Team der ZEIT Akademie
Gesamt
0,00 €
Inkl. MwSt., ggf.
zzgl. Versandkosten
Ich kann auf der Grundlage der Vorlesung die Einschätzung von Böll als schlechten Romanschriftsteller nicht nachvollziehen. Wer im Übergang zur ersten sozialliberalen Regierung studiert hat, findet es geradezu selbstverständlich, dass Schriftsteller sich auch politisch einmischen. Gerade in dieser Hinsicht war Böll vorbildlich und zwar unabhängig davon, ob man seine Ansichten teilte. Ihn wegen starker meinungspolitischer Aktivitäten und einer "moralsauren" Haltung abzuqualifizieren, passt in meinen Augen nicht in die Zeit. Und wenn ich dann an die sehr feinfühlige Beschreibung von Leni's buntem Leben in "Gruppenbild mit Dame" denke, dann frag ich mich, wo da was Moralsaures ist. – W. Seiler am 3.1.2012
Was Prof. Richter die Romane als weniger gut einstufen lässt als die Kurzgeschichten, ist die weniger komplexe Anlage der Romanhandlung. Umso stärker stuft sie dagegen die Kurzgeschichten ein, da hier sehr verdichtet erzählt wird und die sensiblen Figurenzeichnungen noch mehr zum Tragen kommen.
Die Gesellschaftskritik, die Böll betrieb und die oftmals Kontroversen auslöste, ist im Rahmen seiner Zeit fraglos wichtig und vorbildlich. Doch diese Prägungen können einem heutigen jungen Leser, der diese Zeit eben nicht miterlebt hat, den Zugang zu den Texten erschweren.
Für Teilnehmer: Stellen Sie hier Ihre Fragen zum Seminar oder lesen Sie, was andere Teilnehmer wissen möchten. Folgende Seminare stehen zur Auswahl:
Was soll ich von der Vergesslichkeit mancher Schriftsteller halten? Christa Wolf hat ihre Stasi-Mitarbeit vergessen, Günter Grass seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS. Sollte man nicht erwarten, dass sich Schriftsteller besser erinnern als andere Menschen? – K. Ebert am 14.11.2011
Schriftsteller sind auch nur Menschen - und das ist ihr größtes Problem. Denn seit dem 18. Jahrhundert, seit der Erfindung des Genies, gelten sie als etwas Besonderes: als außergewöhnlich sensible, selbstkritische, aufmerksame Persönlichkeiten. Ihr Werk bezieht seine Legitimität immer auch aus der Überzeugungsfähigkeit der Person, ihres Auftretens, Redens oder auch (und besonders wirkungsmächtig) ihres Schweigens.
[mehr ...]Was bringt es mir, die näheren Lebensumstände eines Schriftstellers zu kennen, etwa die Liebesaffären von Max Frisch? – A. Banner am 8.11.2011
Ein Autor wird nicht nur aufgrund seiner Bücher zum Gesprächsstoff, sondern auch aufgrund seiner Lebensweise. Es gehört zu den Ritualen des Betriebs, eben jenen Klatsch und Tratsch in den literarischen Texten eines Autors wiederentdecken zu wollen. Umgekehrt gehört es zu den Ritualen der Literaturwissenschaft, Lesern diese Identifikationsversuche auszureden.
[mehr ...]Warum fehlen in dem DVD-Seminar Autoren wie Brecht? – A. Röder am 5.9.2011
Sie haben ganz richtig bemerkt, dass einige namhafte Autoren wie Brecht fehlen. Auch Anna Seghers, Wolfgang Borcherdt oder Ingeborg Bachmann zählen zu den zentralen Figuren der Gegenwartsliteratur und werden in der Vorlesung nicht dezidiert behandelt. Sie werden das Problem bereits erahnen: Hier musste eine Auswahl getroffen werden.
[mehr ...]Dass Elias Canetti, Heinrich Böll und Herta Müller den Nobelpreis gekriegt haben, verstehe ich. Dass Elfriede Jelinek ihn gekriegt hat, verstehe ich nicht. Verstehen Sie das? – G. Thiersen am 11.11.2011
Unser Literaturverständnis ist meistens von bestimmten Vorlieben geprägt. Das Nobelkomitee aber will innovative Entscheidungen treffen. Es prämiert deshalb auch Autoren und Werke, die vordergründig abwegig erscheinen.
[mehr ...]Im Seminar spricht Frau Richter wiederholt die Gruppe 47 an. Was genau machte diese Gruppe und wieso ist sie für die Literaturwelt so wichtig gewesen? – P. Ehmke am 7.11.2011
Die Gruppe 47 bildete sich 1947 aus einer Reihe von westdeutschen Schriftstellern. Zu den Gründungsmitgleidern zählten Hans Werner Richter und Alfred Andersch. Im Rahmen der regelmäßig angesetzten Treffen wurde zeitgenössische Dichtung vorgelesen und kritisiert. Die junge Nachkriegsliteratur sollte damit gefördert werden und ihren Anschluss an die Weltliteratur finden.
[mehr ...]Warum fehlen die Auswahlkriterien für die ausgewählte Literatur? – R. Hilmer am 4.9.2011
In der ersten Vorlesung unserer Reihe finden Sie die Auswahlkriterien:
So handelt es sich bei den Texten – Umberto Eco ausgenommen – um deutschsprachige Texte aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich. Die Texte wurden nach ihrer Bedeutsamkeit für die jüngste Literatur ausgewählt und nach ihrer ästhetischen Qualität. Die Nobelpreisträger sind Teil der Auswahl sowie Umberto Eco, der zwar nicht deutschsprachig ist, aber viele Autoren aus dem deutschsprachigen Raum beeinflusst hat und deshalb als Beispiel der Internationalisierung von Literatur dient.