Expertenforum Literatur

Literaturnobelpreis

Ist die Vergabe des Nobelpreises wirklich ein absolut bestimmendes Merkmal? [mehr ...]

Ist die Vergabe des Nobelpreises wirklich ein absolut bestimmendes Merkmal? Nicht wenige Autoren waren da ja durchaus umstritten. Nicht nur Frau Jellinek, auch Frau Müller wegen der mangelnden Bandbreite ihres Werkes oder Herr Grass. Bei ihm bin auch ich der Meinung, dass er eigentlich nur einen Roman von Weltgeltung geschrieben hat, nämlich die Blechtrommel und da auch nur Teil 1.
Wenn ich hier wirklich einen Autor vermisst habe, dann Joachim Fest. Der hat mich schon als 16jähriger (ich bin jetzt 63) z. B. mit seiner hervorragenden Hitler Biographie geprägt. Von Herrn Grass kann ich das nicht behaupten.
Haben Sie sich nun in der Einführung um die Frage herum gemogelt, was denn nun gute oder damit auch schlechte Literatur ist? Sind Harry Potter oder die Bücher von Rosamunde Pilcher und Dana Galbandon nun eher schlechte Literatur? Meine – hochgebildete – Frau, die z.B. diese Bücher liest, reagiert jedenfalls empfindlich wenn ich ihr sage, sie solle doch einmal etwas Vernünftiges lesen.
Wer entscheidet letztlich über Qualität? Es gibt durchaus Autoren/innen von Weltgeltung, deren Bücher mir Schwierigkeiten bereiten, weil mir die Sprache Probleme bereitet. Ich nenne hier als Beispiel Toni Morrison.

– P. Pyrchalla am 11.06.2013

Antwort

Natürlich ist der Nobelpreis allein kein absolut bestimmendes Merkmal, wenn es darum geht, ‚gute’ und ‚schlechte’ Autoren oder ‚gute’ und ‚schlechte’ Literatur zu unterscheiden. Wie in der Einführung erwähnt, darf die Vergabe des Nobelpreises durchaus kritisch hinterfragt werden. Was letztlich beim Leser oder der Leserin über die Qualität entscheiden sollte, ist der Anspruch, mit dem er oder sie ein Buch liest.

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Heinrich Böll

Ich kann auf der Grundlage der Vorlesung die Einschätzung von Böll als schlechten Romanschriftsteller nicht nachvollziehen. Ihn wegen starker meinungspolitischer Aktivitäten und einer "moralsauren" Haltung abzuqualifizieren, passt in meinen Augen nicht in die Zeit. [mehr ...]

Ich kann auf der Grundlage der Vorlesung die Einschätzung von Böll als schlechten Romanschriftsteller nicht nachvollziehen. Wer im Übergang zur ersten sozialliberalen Regierung studiert hat, findet es geradezu selbstverständlich, dass Schriftsteller sich auch politisch einmischen. Gerade in dieser Hinsicht war Böll vorbildlich und zwar unabhängig davon, ob man seine Ansichten teilte. Ihn wegen starker meinungspolitischer Aktivitäten und einer "moralsauren" Haltung abzuqualifizieren, passt in meinen Augen nicht in die Zeit. Und wenn ich dann an die sehr feinfühlige Beschreibung von Leni's buntem Leben in "Gruppenbild mit Dame" denke, dann frag ich mich, wo da was Moralsaures ist. – W. Seiler am 3.1.2012

Antwort

Was Prof. Richter die Romane als weniger gut einstufen lässt als die Kurzgeschichten, ist die weniger komplexe Anlage der Romanhandlung. Umso stärker stuft sie dagegen die Kurzgeschichten ein, da hier sehr verdichtet erzählt wird und die sensiblen Figurenzeichnungen noch mehr zum Tragen kommen.
Die Gesellschaftskritik, die Böll betrieb und die oftmals Kontroversen auslöste, ist im Rahmen seiner Zeit fraglos wichtig und vorbildlich. Doch diese Prägungen können einem heutigen jungen Leser, der diese Zeit eben nicht miterlebt hat, den Zugang zu den Texten erschweren.

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Der Literatur-Nobelpreis für Elfriede Jelinek

Dass Elfriede Jelinek den Nobelpreis gekriegt hat, verstehe ich nicht. Verstehen Sie das? [mehr ...]

Dass Elias Canetti, Heinrich Böll und Herta Müller den Nobelpreis gekriegt haben, verstehe ich. Dass Elfriede Jelinek ihn gekriegt hat, verstehe ich nicht. Verstehen Sie das? – G. Thiersen am 11.11.2011

Antwort

Unser Literaturverständnis ist meistens von bestimmten Vorlieben geprägt. Das Nobelkomitee aber will innovative Entscheidungen treffen. Es prämiert deshalb auch Autoren und Werke, die vordergründig abwegig erscheinen.

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Gruppe 47

Im Seminar spricht Frau Richter wiederholt die Gruppe 47 an. Was genau machte diese Gruppe und wieso ist sie für die Literaturwelt so wichtig gewesen? [mehr ...]

Im Seminar spricht Frau Richter wiederholt die Gruppe 47 an. Was genau machte diese Gruppe und wieso ist sie für die Literaturwelt so wichtig gewesen? – P. Ehmke am 7.11.2011

Antwort

Die Gruppe 47 bildete sich 1947 aus einer Reihe von westdeutschen Schriftstellern. Zu den Gründungsmitgleidern zählten Hans Werner Richter und Alfred Andersch. Im Rahmen der regelmäßig angesetzten Treffen wurde zeitgenössische Dichtung vorgelesen und kritisiert. Die junge Nachkriegsliteratur sollte damit gefördert werden und ihren Anschluss an die Weltliteratur finden.

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Auswahlkriterien

Warum fehlen die Auswahlkriterien für die ausgewählte Literatur? [mehr ...]

Warum fehlen die Auswahlkriterien für die ausgewählte Literatur? – R. Hilmer am 4.9.2011

Antwort

In der ersten Vorlesung unserer Reihe finden Sie die Auswahlkriterien:
So handelt es sich bei den Texten – Umberto Eco ausgenommen – um deutschsprachige Texte aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich. Die Texte wurden nach ihrer Bedeutsamkeit für die jüngste Literatur ausgewählt und nach ihrer ästhetischen Qualität. Die Nobelpreisträger sind Teil der Auswahl sowie Umberto Eco, der zwar nicht deutschsprachig ist, aber viele Autoren aus dem deutschsprachigen Raum beeinflusst hat und deshalb als Beispiel der Internationalisierung von Literatur dient.

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Schriftstellerbiographien

Was soll ich von der Vergesslichkeit mancher Schriftsteller halten? Christa Wolf hat ihre Stasi-Mitarbeit vergessen, Günter Grass seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS. Sollte man nicht erwarten, dass sich Schriftsteller besser erinnern als andere Menschen? [mehr ...]

Was soll ich von der Vergesslichkeit mancher Schriftsteller halten? Christa Wolf hat ihre Stasi-Mitarbeit vergessen, Günter Grass seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS. Sollte man nicht erwarten, dass sich Schriftsteller besser erinnern als andere Menschen? – K. Ebert am 14.11.2011

Antwort

Schriftsteller sind auch nur Menschen - und das ist ihr größtes Problem. Denn seit dem 18. Jahrhundert, seit der Erfindung des Genies, gelten sie als etwas Besonderes: als außergewöhnlich sensible, selbstkritische, aufmerksame Persönlichkeiten. Ihr Werk bezieht seine Legitimität immer auch aus der Überzeugungsfähigkeit der Person, ihres Auftretens, Redens oder auch (und besonders wirkungsmächtig) ihres Schweigens.

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Max Frisch und seine Affären

Was bringt es mir, die näheren Lebensumstände eines Schriftstellers zu kennen, etwa die Liebesaffären von Max Frisch? [mehr ...]

Was bringt es mir, die näheren Lebensumstände eines Schriftstellers zu kennen, etwa die Liebesaffären von Max Frisch? – A. Banner am 8.11.2011

Antwort

Ein Autor wird nicht nur aufgrund seiner Bücher zum Gesprächsstoff, sondern auch aufgrund seiner Lebensweise. Es gehört zu den Ritualen des Betriebs, eben jenen Klatsch und Tratsch in den literarischen Texten eines Autors wiederentdecken zu wollen. Umgekehrt gehört es zu den Ritualen der Literaturwissenschaft, Lesern diese Identifikationsversuche auszureden.

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Autorenauswahl

Warum fehlen in dem DVD-Seminar Autoren wie Brecht? [mehr ...]

Warum fehlen in dem DVD-Seminar Autoren wie Brecht? – A. Röder am 5.9.2011

Antwort

Sie haben ganz richtig bemerkt, dass einige namhafte Autoren wie Brecht fehlen. Auch Anna Seghers, Wolfgang Borcherdt oder Ingeborg Bachmann zählen zu den zentralen Figuren der Gegenwartsliteratur und werden in der Vorlesung nicht dezidiert behandelt. Sie werden das Problem bereits erahnen: Hier musste eine Auswahl getroffen werden.

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