Wie ist es möglich, dass unsere Nachkommen wohl seit Jahrtausenden zu etwa je 50% männlich und weiblich sind, obwohl nur der Vater mit seinen X-/Y-Chromosomen darüber entscheidet? (Nur die "story" besagt, dass in Kriegszeiten mehr Jungen geboren werden). – J. Meyerhoff am 2.5.2012
Antwort
Das Geschlecht eines Kindes wird ausschließlich durch den väterlichen Samen bestimmt. Bei der Produktion der Spermien ist das Geschlechterverhältnis noch vollkommen ausgeglichen. Spermien, die ein männliches Y-Chromosom tragen, haben jedoch gegenüber Spermien mit weiblichem X-Chromosom einen kleinen Geschwindigkeitsvorteil. Der führt dazu, dass auf 100 gezeugte weibliche Embryonen etwa 130 männliche kommen. Doch die Sterblichkeitsrate männlicher Embryonen liegt höher, sodass sich das Geschlechterverhältnis bei der Geburt auf 105 Jungen zu 100 Mädchen angenähert hat. Vielleicht hat die Evolution diesen Männerüberschusss hervorgebracht, weil Jungs auch nach ihrer Geburt eine höhere Sterblichkeit haben als Mädchen.
Nach Kriegszeiten steigt die Überproduktion an Jungen jedoch leicht an auf 108 pro 100 Mädchen. Die bislang plausibelste Erklärung für diese mehrfach gemachte Beobachtung liefert eine Stammbaumanalyse: Sie zeigt, dass manche Männer eher Söhne zeugen und andere eher Töchter. Diese Zeugungs-Tendenz ist nach heutigem Kenntnisstand erblich, sodass Männer mit vielen Brüdern etwas häufiger Söhne zeugen als Töchter. Der Krieg macht keinen Unterschied zwischen Söhnen aus Sohn- oder Tocher-reichen Familien, er tötet gleichmäßig. Deshalb haben Männer mit vielen Brüdern eine höhere Überlebenschance und entsprechend werden in der nächsten Generation mehr Jungen geboren – so die Theorie.
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