Die grundlegende sexuelle Selektion beruht ja zunächst einmal auf phänotypischen Merkmalen und hat das Finden von gesunden und parasitenfreien Sexualpartnern zum primären Ziel. Was sind die heutigen Kriterien der sexuellen Selektion innerhalb der Art Homo sapiens sapiens? Sind es am Ende eben doch Erfolg und Einkommen? – A. Hartmann am 3.1.2012
Antwort
Zweck der sexuellen Selektion ist es – kurz gesagt – gute Gene zu finden, damit der eigene Nachwuchs Vorteile hat. Der auswählende Partner sollte sich also an Merkmalen orientieren, die auch vererbbar sind, damit der Nachwuchs etwas davon hat. Mit Sicherheit ist die Auswahl dabei heute stark kulturell geprägt und bestimmt spielen auch soziale Merkmale eine Rolle. Erfolgt und Einkommen können dabei Kriterien sein, genauso wie die Haarfarbe oder weiße Zähne.
Unser Leben heute erfordert jedoch andere Eigenschaften als das unserer Vorfahren. Gesundheit ist uns auch heute noch wichtig aber dank moderner Medizin ist das kein alles entscheidendes Kriterium mehr. Kommunikationsfähigkeit und Kreativität sind heute in manchen gesellschaftlichen Kreisen von besonderer Bedeutung für die Partnerwahl, während medizinische Gründe in den Hintergrund treten. Sogar die Fruchtbarkeit, einst entscheidender Faktor für die Fortpflanzung, hat im Zeitalter der Reproduktionsmedizin an Bedeutung eingebüßt.
Die heutigen Kriterien für sexuelle Selektion unterliegen wahrscheinlich einem ähnlich raschen Wandel wie Schönheitsideale und sind stark von der Kultur geprägt. Andere Mechanismen sind sicherlich bedeutsamer für die Evolution des Menschen. Statistiken zeigen, dass Menschen mit einem niedrigem Cholesterinlevel im Blut im Schnitt mehr Kinder haben als solche mit hohen Blutfettwerten. Es gibt Hinweise darauf, dass immer mehr Menschen Gene für dicke Haare in ihrem Erbgut tragen. Es scheint bei der Partnersuche eine Präferenz für solches Haar zu geben. Gene, die vor einer HIV-Infektion oder Malaria schützen, bieten auch heute noch klare Vorteile.
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