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Es ist viel von menschlicher Würde geredet. Was ist menschliche Würde? – B. Pöttner am 26.11.2012
In der ethisch-philosophischen Debatte ist Menschenwürde tatsächlich ein hochumstrittener Begriff. Neben verschiedenen Vorschlägen zur Definition finden sich auch Standpunkte, die den Sinn des Begriffs überhaupt bestreiten und seinen einzigen Gebrauch in seiner Rolle als rein rhetorisch motivierten „Debattentöter“ sehen: Menschenwürde wird dann ins Spiel gebracht, wenn einer Seite die Argumente ausgehen.
Einen Schritt weiter gehen Positionen, die den Begriff der Würde zwar in vielen Kontexten als „leer“ oder „überkommen“ charakterisieren, ihn jedoch im Grundsatz auf das Prinzip des Respekts vor der Autonomie des Einzelnen zurückführbar betrachten.
[mehr ...]Für Teilnehmer: Stellen Sie hier Ihre Fragen zum Seminar oder lesen Sie, was andere Teilnehmer wissen möchten. Folgende Seminare stehen zur Auswahl:
Im Rahmen der Debatte zum Thema „Beschneidung“ wäre es nicht eine Frage angemessener Ethik, auf das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen zu achten? Demgemäß dürfte eine Beschneidung nur durch ausdrückliche Einwilligung des Betroffenen erfolgen, erst wenn er sich zu seiner Religion bekennt, und infolgedessen nun später (im Alter v. 18 Jahren?) stattfinden. Dadurch würden m.E. die Prinzipien der Religion/Gebräuche auch bewahrt. – P. Lacroix am 17.8.2012
Das Aufeinandertreffen religiöser Verpflichtungen und rechtsstaatlich garantierter wie moralisch legitimierter Grundrechte bietet Raum für Konflikte. Wie Sie mit Ihrem Hinweis auf die Bewahrung religiöser Prinzipien zu Recht hervorheben, handelt es sich dabei nicht so sehr um ein rein praktisches Dilemma, in dem moralisch irrelevante mit moralisch relevanten Interessen konfligieren. In Ihrer Darstellung handelt es sich primär um einen innerhalb des Rechts auf freie Religionsausübung auftretenden Binnenkonflikt: Das Recht auf Selbstbestimmung scheint verletzt, wenn einem Kind ohne dessen mögliches Einverständnis eine religiöse Überzeugung „aufgedrängt“ und über Initiationsriten dessen Eingliederung in die Religionsgemeinschaft faktisch vollzogen wird.
[mehr ...]Sind der Millionär und der Obdachlose für Sie insofern gleich, als sie beide menschliche Individuen sind? – E. Probst am 4.7.2012
Sie haben Recht, beide können als menschliche Individuen betrachtet werden. Natürlich ist das wahrscheinlich bei weitem nicht ihre einzige gemeinsame Eigenschaft: So ist es möglich, dass beide den Vornahmen Max tragen, Bartträger sind, fünf Finger an jeder Hand haben etc. Was an ihrer Klassifikation als „menschliches Individuum“ in der Ethik dann auch primär interessiert, ist nicht unmittelbar die daraus ablesbare Spezieszugehörigkeit, sondern die sich hieraus ergebende normative Relevanz.
[mehr ...]Zitat: „In einer weltbürgerlichen Haltung ist nicht vorausgesetzt, dass der Einzelne jedem Glied der Menschheit dieselben Gefühle entgegenbringt wie seinen Nächsten oder seinen Nachbarn. Vorausgesetzt ist vielmehr die Einsicht, dass kein Mensch gleichgültig ist“. In der Erklärung der Menschenrechte von 1948 ist u.a. die Rede davon, einander im Geiste der Brüderlichkeit zu begegnen. Können Sie mir sagen, wie diese Aussagen zu verstehen, auseinanderzuhalten sind und wie sich diese in der weltlichen Praxis auszudrücken vermag? – F. Jauch am 13.8.2012
Beide Aussagen scheinen auf ein psychologisches Faktum Bezug zu nehmen: Uns stehen einige Menschen schlichtweg näher als andere. Die Beziehungen zu unserer Familie, unseren Verwandten und Freunden sind gewöhnlich deutlich emotionaler gefärbt als diejenigen Beziehungen, die sich beim alltäglichen Umgang mit Fremden ergeben. Dies gilt nicht zuletzt bei der Konfrontation mit Unglücksfällen: Die Nachricht, dass sich ein guter Freund von uns nach einem Unfall in Behandlung befindet, schreckt uns deutlich mehr auf, als wenn man dieselbe Mitteilung über einen Fremden erhält.
[mehr ...]In der Einführung wird in Bezug auf die kath. Moraltheologie von „Gebotsethik" gesprochen. Nun habe ich zu Beginn der 80-iger Jahre Moraltheologie in Bonn bei Prof. Böckle studiert und finde nun die von ihm damals vertretene Moral mit „Gebotsethik" nicht zureichend beschrieben. Autonomie und Kommunikabilität waren zentrale Begriffe. Ist der Begriff Gebotsethik, in dem für mich ein „von oben Vorgeschriebenes" mitschwingt, dafür angemessen? Welche Rolle spielt die Autonomie in der von Prof. Huber vertretenen Ethik? – W. Marquardt am 18.6.2012
Sie haben Recht, dass das Wort „Gebotsethik“ zunächst doch sehr nach einer Moral klingt, die primär vorschreibt, anstatt auf Überzeugung und gute Gründe zu setzen. Dabei ist anzunehmen, dass Prof. Huber hier eine bestimmte Einteilung ethischer Theorien im Blick hat, und dem Betrachter grundsätzliche Alternativen vorstellen möchte. Wenn er also die katholische Moraltheologie vielleicht ein wenig pauschal als „Gebotsethik“ bezeichnet und sie in Gegensatz zu einer „Verantwortungsethik“ stellt, geschieht dies primär aus Gründen der Kontrastbildung; in der weiteren Vorlesung spricht er stattdessen auch häufig von der „Gesetzesethik“, wenn er auf die katholische Moraltheologie zu sprechen kommt. Der Ausdruck „Gesetzesethik“ mag als Bezeichnung katholischer Ethik angemessener erscheinen, weil damit zum einen der Gebotsgedanke nicht aufgegeben wird (Gesetze gebieten oder verbieten), darin aber weiterhin auch die Quelle solcher Gebote zur Sprache kommt.
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